Tafelobst von Hochstamm-Obstbäumen: Interessierte Produzenten gesucht!
 
Die IG Kulturlandschaft führt mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft ein Pilotprojekt durch, das praxisnah untersucht, inwieweit auf Hochstamm-Obstbäumen wirtschaftlich Tafelobst produziert werden kann. Um eine möglichst gute Wertschöpfung zu erreichen, soll das Obst unter der Bezeichnung „ungespritztes Obst von Hochstammbäumen aus der Region“ vermarktet werden.

Erste positive Erfahrungen und Wirtschaftlichkeitsrechungen liegen bereits vor (s. Kästchen unten). Bei geeigneten Sorten können je nach Jahr auch ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz zwischen 30 und 80% des Ertrages als Tafelobst genutzt werden. Entscheidend für einen wirtschaftlichen Erfolg scheinen insbesondere robuste, qualitativ gute Sorten. Was den Anforderungen an Tafelobst nicht entspricht, bleibt am Baum und wird später für Most oder die Brennerei genutzt.
Die Vermarktung soll in lokalem oder regionalem Rahmen erfolgen, wobei die Logistik (Lagerung und Lieferung an die Verkaufspunkte) durch die Produzenten übernommen wird. Dadurch sind das Risiko und die Produktionskosten kalkulierbar. Das Projekt stellt eine Basis-Beratung zur Verfügung, erarbeitet Qualitätsanforderungen und unterstützt die Produzenten bei der Vermarktung und bei der Kommunikation gegenüber Kunden und Handel. Zudem übernimmt es die Qualitätssicherung. Die Produzenten erhalten ein Zertifikat, unter dem sie ihr Obst verkaufen können.

In der Ostschweiz (TG, SG, ZH) und im Jura (AG, BL), allenfalls auch in anderen Regionen werden rund 30 interessierte Produzenten gesucht, die sich am Projekt beteiligen und die 2018 in der Grössenordnung von je einigen Hundert Kilos bis wenigen Tonnen Obst auf bestehenden Hochstammbäumen produzieren. Im Vordergrund stehen Äpfel und Birnen von Hochstamm-Bäumen, die bereits im Vollertrag stehen, die geeignete Sorten tragen und die bisher für die Mostproduktion oder den Tafelobst-Eigenbedarf genutzt wurden.

Interessenten melden sich möglichst bald bei untenstehender Adresse. Wichtig ist, dass in den für das Projekt vorgesehenen Obstgärten dieses Jahr keine Spritzungen durchgeführt werden. Gerne stehen wir Ihnen für Fragen zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihre Anfragen per Telefon oder eMail!

Andreas Bosshard, Urs Meierhofer, IG Kulturlandschaft, hochstammtafelobst@ig-kulturlandschaft.ch, 056-641 17 14.

>> Projektflyer mit weiteren Informationen

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Ungespritztes Tafelobst von unseren Hochstammbäumen – Projektstand und erste Resultate (März 2018)

Das Projekt wird von der IG-Kulturlandschaft mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft durchgeführt. Als Folge der Spätfrostereignisse und entsprechend sehr geringer oder ganz fehlender Erträge musste der Start des praktischen Teils des Projektes von 2017 auf 2018 verschoben werden. Zum Projekt gehören auch Abklärungen zur Wirtschaftlichkeit, zum Produktionspotenzial und zur Vermarktung von ungespritztem Hochstamm-Tafelobst.

Erste Resultate einer Auswertung wirtschaftlicher Zahlen und einer Umfrage bei Konsumenten liegen bereits vor. Die Konsumenten scheinen einer pestizidfreien Produktion sehr interessiert gegenüber zu stehen und sind durchaus bereit, deutlich mehr zu bezahlen und problemlos auch nicht ganz perfekte Früchte in Kauf zu nehmen. Zudem kann die Rentabilität einer Hochstamm-Tafelproduktion deutlich besser abschneiden als diejenige im Intensivanbau. Selbst wenn die Äpfel zum Preis von konventioneller Grosshandelsware abgesetzt würden, wäre gemäss den vorliegenden Zahlen der Stundenerlös noch höher. Die Äpfel können aber zu wesentlich höheren Preisen abgesetzt werden. Allerdings ist es kaum möglich, auf einem Betrieb ähnliche Mengen und Umsätze wie mit Niederstammanlagen zu generieren. Entsprechend ist die Hochstamm-Tafelobstproduktion vor allem als Nebenbetriebszweig von Interesse. Der relativ flexibel einsetzbare Arbeitsbedarf kommt dieser Strategie entgegen. Interessant ist auch die Abschätzung des potenziellen Produktionsumfangs. Selbst bei restriktiven Annahmen könnte mittelfristig ein Drittel der gegenwärtigen Tafelapfelproduktion auf diese Weise produziert werden.

Obwohl die Resultate deutlich ausfielen, sind sie noch als vorläufig zu betrachten und werden im Laufe des 2018 weiter vertieft.

>> Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit verschiedener Tafelobstanbausysteme im Vergleich (pdf) (Arbeit initiiert und betreut durch die IG Kulturlandschaft)